Wettbewerb

Unser Bürgermeister teilt mit, dass der direkte Verkauf an die HTS-Handel GmbH dadurch zu Stande kam, dass man mit dieser bereits seit längerem im Gespräch war (bzw. mit der Hoffnungsträger Stiftung) und andere Bauträger stets aufgrund von Rentabilitätsgründen abgelehnt hätten in Aulendorf zu bauen. Was dabei nicht berücksichtigt wird ist, dass es dabei stets um kleinere und weniger attraktive Grundstücke ging. Eine öffentliche Ausschreibung für dieses Grundstück hätte sicher eine größere Zahl an Investoren, mit ebenfalls guten Ideen zur Nutzung, auf den Plan gerufen (vgl. Bad Waldsee Baugebiet Pfändle, Klosterberg Reute, oder auch St. Anna Quartier Tettnang).

Überfülltes Feld

Auf ca. 6.200 Quadratmetern, das entspricht nicht einmal einem Standardfußballfeld mit 7.140 Quadratmetern, sollen etwa 150 - 200 Menschen untergebracht werden. Sind das typische Verhältnisse für Aulendorf, oder entwickeln wir uns zur Bettenburg für andere Städte?

Wer in Aulendorf kann guten Gewissens von sich behaupten, dass er sich über ca. 175 neue Nachbarn auf dieser Fläche durchweg freuen würde.

Bezahlbarer Wohnraum

In Aulendorf wurden und werden zahlreiche Mehrfamilienhäuser und ein neues Wohngebiet gebaut. Bei keinem dieser Bauprojekte konnte bezahlbarer Wohnraum durchgesetzt werden. Mit dem Bündnis für bezahlbaren Wohnraum geht unsere Kreisstadt Ravensburg einen guten Weg. Bei diesem Beschluss wird bei zukünftigen Wohnbauprojekten ab einer bestimmten Größe ein Teil automatisch zum bezahlbaren Wohnraum.

Demographischer Wandel

Laut Demographiebericht von 2018 beträgt der Altenquotient der Aulendorfer*innen 31,1 und wird sich bis 2030 auf 46,3 erhöhen. Ein Thema das uns alle und unsere Familien betrifft. Der städtische Bauplatz im Riedweg wäre der ideale Ort um einen würdigen Ort fürs Alter zu schaffen. Eine Belegung der Wohnplätze mit Aulendorfern wäre ebenfalls wahrscheinlich, denn wie heißt es so schön, "einen alten Baum verpflanzt man nicht." 

Seltenes Gut

Betreutes Wohnen mit der Option gepflegt zu werden ist die Möglichkeit den letzten Lebensabschnitt würdevoll und vorallem nicht allein zu gestalten. Plätze dafür sind leider mindestens genau so rar, wie bezahlbarer Wohnraum. Betroffene warten teilweise Jahre auf einen Platz, die Wartelisten sind lang.

Das betreute Wohnen würde von Teilen der Infrastruktur weniger abverlangen (Parkplätze, Spielplätze etc.) und sich generell besser in das bestehende Wohngebiet einfügen.

Wechsel

Viele Einfamilienhäuser werden nur noch von ein bis zwei älteren Personen bewohnt. Die neu gebauten Wohnungen am Schlosspark etc. sind sehr oft gleich teuer, wie das eigene Haus wert ist. Wer tauscht dann schon gerne sein hart erarbeitetes Haus eins zu eins gegen eine kleinere Wohnung, ohne dabei einen wirklichen Mehrwert für das Alter zu erhalten?

Mit einem betreuten Wohnen (+Pflege) an attraktiver Stelle mit Aussicht auf Gesellschaft und Beschäftigung ist es sicherlich vorstellbar, dass diese Aulendorfer ihre Häuser für eine neue Generation bereitstellen und gleichzeitig einen würdevollen und angemessenen Ort fürs Alter finden.

Immaterielles Erbe Friedhofskultur

Die Stadt Aulendorf hat erst vor wenigen Monaten auf die Wichtigkeit der Friedhofskultur in unserer Stadt hingewiesen und ist dem Verzeichnis immatrielles Erbe Friedhofskultur beigetreten. Darin wird die Wichtigkeit des Friedhofes als Ort der inneren Einkehr, Trauer und Würdigung herausgestellt. Nun sollen direkt anliegend drei dreistöckige Holzbauten entstehen, die jeweils eine Länge von 24,80 m, eine Breite von 13,10 m und eine Höhe von 9,40 m haben sollen. Die neuen Bewohner haben natürlich ein Recht auf Entfaltung, daher wird der Lärmpegel auf dem Friedhof zwangsläufig steigen.

Was will die Stadt denn nun?

Miteinander

Die Handhabung und Kommunikation bei diesem Projekt verdeutlicht einmal mehr, warum so viele Menschen inzwischen eine Politikverdrossenheit an den Tag legen.

Nicht einmal im kommunalen Bereich werden mündige Bürger bei Entscheidungsprozessen einbezogen, oder wenigstens nach ihrer Meinung gefragt.

Die Anwohner des Riedwegs sind keinesfalls Menschen, die eine soziale Kälte an den Tag legen, oder andere Menschen nicht willkommen heißen würden.

Jeder vernünftige Mensch weiß aber, dass in einem bestehenden Sozialgefüge eine derartige Zunahme an neuen Anwohnern Konfliktpotential birgt. Dabei spielt der Nachname, das Einkommen und alles andere gar keine Rolle. Nicht nur wir Anwohner sind betroffen, sondern alle Aulendorfer denen die positive Entwicklung unserer Stadt am Herzen liegt.

 

Verdichtung

Das Thema Umwelt und Natur spielt, zumindest nach außen, für die Politik eine große Rolle. Unter anderem fand die vom BUND vorangetriebene Kampagne zur Rettung der Biene ein großes Echo in Politik und Gesellschaft. Im Riedweg soll die Streuobstwiese jedoch ohne große Bedenken den Baggern zum Opfer fallen. Wäre es nicht schön, den Bestand in das Konzept mit einzubinden, anstatt Flächen nur zuzubauen? Wir würden uns wünschen, dass zumindest dieser Teil des Grundstücks erhalten bleibt.